Dramatische Darstellung soll Wirkung zeigen / Projektag an der Hauptschule für mehr Verantwortung im Straßenverkehr - Moto: "Disco-Fieber"
Der VW Golf sieht nicht mehr gut aus. Das Dach eingedrückt, die Scheiben zersplittert und auf den vorderen Sitzen zwei leblose Jugendliche. Ein Horrorszenario, aber Gott sei Dank nur eine Übung. Auf Initiative der Feuerwehr Illschwang fand für die Schüler der achten und neunten Klasse der örtlichen Hauptschule ein Projekttag zum Themenbereich "Disco-Fieber" statt. Im Mittelpunkt steht Aufklärung zur Vermeidung von Verkehrsunfällen bei Jugendlichen.
Auf emotionaler Ebene
Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt für den gesamten Landkreis Amberg-Sulzbach. Eine ähnliche Veranstaltung wurde bisher in unserer Region nur in der Berufschule Amberg durchgeführt.
Durch die Aktion soll bei den Heranwachsenden eine Einstellungs- und Verhaltensänderung auf emotionaler Ebene erreicht und das Verantwortungsgefühl im Straßenverkehr gestärkt werden. Unter dem Leitmotto "Wir brauchen Dich auch morgen", geht es darum, bei den jungen Leuten ein positives Lebensgefühl zu vermitteln. Dieser Spruch befindet sich auf den roten Warnwesten, die jeder Acht- und Neuntklässlerüberreicht bekam. Rektor Helmut Steiner dankte Kommandanten Richard Koller und Jugendwart Konrad Hochholzer für ihr Engagement, dass diese Veranstaltung an der Volksschule Illschwang zustande kam und lobte den großen ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehr, von dem auch die Schule in verschiedenster Form profitieren kann.
Zur Sensibilisierung wurde den Teilnehmer an diesem Projekttag Discomusik in einem abgedunkelten Raum mit Lichteffekten und entsprechender Lautstärke eingespielt. Es folgte ein Film von Zwölftklässlern der Berufschule Amberg, in dem gezeigt wurde, wie ein betrunkener Autofahrer einen Unfall verursacht und seine Freundin als Folge daraus im Rollstuhl landet.
Polizeioberkommissar Michael Eckl von der PI Sulzbach-Rosenberg richtete beim Projekttag an die 14/15-Jährigen Schüler die eindringliche Warnung, nie zu einem Betrunkenen ins Auto zu steigen. Er machte ihnen auch klar, dass jeder Verkehrsteilnehmerin Notfall helfen muss, weil er sich sonst der unterlassenen Hilfeleistung schuldig macht.
Besonders schlimm sei es für Polizeibeamte den Familienangehörigen die Todesnachricht zu überbringen. Dies geschehe oft in Begleitung eines Notfallseelsorgers. Der Polizeioberkommissar wies auf die strafrechtlichen und zivilrechtlichen Folgen für Unfallverursacher hin. Die meisten Disco- und Freizeitunfälle passieren zwischen 20 und 6 Uhr. Hauptursachen sind Alkohol- und Drogeneinfluss, sowie überhöhte Geschwindigkeit. 2007 gab es im Bereich der PI Sulzbach-Rosenberg vier Verkehrstote. Eckl appellierte an die Schüler, sich Gedanken um alternative Heimfahrmöglichkeiten nach Discobesuchen zu machen.
Für immer entstellt
Rettungsassistent Michael Uschold von der BRK-Wache Sulzbach-Rosenberg konfrontierte die Acht- und Neuntklässler mit einer Beamer-Demonstration, die in Text und Bildern die Folgen eines Unfalls schilderte, bei dem ein bildhübsches junges Mädchen, das sich 15 Sekunden in einem brennenden Fahrzeug befand, auf grausamste Weise für immer entstellt wurde. Ursache war Alkohol am Steuer. Inzwischen, so Uschold, hat das Mädchen 40 Operationen hinter sich, um überhaupt weiter leben zu können.
Der Kommandant der Feuerwehr Illschwang sprach die psychischen Belastungen an, denen Feuerwehrleute ausgesetzt sind, wenn es darum geht eine lebensgefährlich verletzte Person oder einen Toten zu befreien. Die Aktiven haben dabei direkten Kontakt zu den Betroffenen, oft sind es Freunde oder Bekannte, die sie bergen müssen. Es sein nicht immer leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren, schließlich darf man keinen Fehler machen. Nicht jeder Feuerwehrmann, so Koller, könne so etwas bewältigen.
Der leitende Notfallseelsorger im Landkreis Peter Bublitz erläuterte die verschiedenen Dienste, um Hilfestellung im psychischen Bereich zu leisten. Besonders dramatisch seien Unfälle bei denen Jugendliche ums Leben kommen. In den betroffenen Familien spielen sich dabei oft unvorstellbare Tragödien ab. Er erinnerte die Schüler an einen Verkehrsunfall bei dem vor einigen Jahren bei Wernberg-Köblitz, als fünf junge Menschen ums Leben kamen.
Große Schauübung
Auf dem Schulbusplatz fand nach den Referaten eine Schauübung statt, die auch alle anderen Klassen verfolgen konnten. Nachgestellt wurde ein Verkehrsunfall mit zwei eingeklemmten Personen, die von der Feuerwehr befreit und vom BRK ins Krankenhaus abtransportiert wurden. Der Notfallseelsorger musste noch eine Mutter eines der Opfer beruhigen, die an der Unfallstelle aufgetaucht war.
Spezielle Rauschbrillen
Für den letzten Teil des Projekttages waren die beiden Dipl.-Sozialpädagogen Gerhard Fleischmann und Marion Donner vom Gesundheitsamt Amberg zuständig. Mit Hilfe spezieller Brillen, welche die Schüler aufsetzten mussten, wurden ihnen an verschiedene Übungen die Auswirkungen auf das Verhalten unter Alkohol deutlich gemacht. Dazu gehörten das Suchen von Nummern im Telefonbuch oder das Balancieren auf einem Trassierband.
Beim Abschlussgespräch sensibilisierte Richard Koller die Schüler dahingehend, sich vorzustellen, dass ihr Tischnachbar nicht mehr da sei und sein Platz für immer leer beleibe. So sollten sie das Motto vom Projekt "Disco-Fieber" "Wir brauchen dich auch noch morgen" nicht aus den Augen verlieren.
Quelle: FW Illschwang



